Mittendrin statt nur dabei…
Am 16.September 2007 war es so weit: Um 13.30 Uhr startete im DSF das erste Bundesliga-Eishockey-Magazin, das seitdem wöchentlich ausgestrahlt wird und nicht nur bei der bundesweiten „Eishockey-Gemeinde“ gut ankommt, wie die regelmäßig guten Einschaltquoten belegen.
Ein Meilenstein für die ESBG-Bundesliga und das deutsche Eishockey. Einerseits verfügt „das Eishockey“ mit dem Magazin im DSF endlich wieder über regelmäßige bundesweite TV-Präsenz und andererseits bieten sich der ESBG und den Clubs nun auch die gewünschten Möglichkeiten, ihre Vermarktung zu optimieren und auch für überregionale Sponsoren attraktiv zu sein.
Dabei wurde das gesamte TV-Projekt eigentlich „über Nacht“ geboren und – um wirklich bereits zu Saison beginn auf Sendung gehen zu können – mit der „heißen Nadel“ gestrickt.
Mitte Juni präsentierte Frank Schlageter, Sportjournalist und Marketingmann der Landshut Cannibals, sein Konzept bei Den ESBG-Verantwortlichen. Schlageter: „Meine Idee war eine Art bundesweite Eishockey-Sportschau, mit kurzweiligen Hintergrundbericht oder bunten Spielerportrait und Interviews. Das Ganze so, dass es möglichst für sämtliche Fans aller Clubs attraktiv ist und zu einer Sendezeit, wo auch alle zuschauen können und nicht im Station sind.“
Geschäftsführer Oliver Seeliger, DEB-Vizepräsident Uwe Harnos und Alfred Prey, der sich engagiert um die Öffentlichkeitsbelange der Liga kümmert, mussten nicht lange überzeugt werden, denn schließlich war sein „eigenes“ TV-Magazin natürlich von Interesse für die Liga und für sämtliche Clubs. Und auch Thomas Eckl, Geschäftsführer von Donau TV – das über den eigenen Sender via Internet bereits ein Magazin während der Playoffs 2006/2007 produzierte und ausstrahlte – war schnell als Partner gewonnen. Thomas Eckl: „Für unseren Sender bedeutet das natürlich auch ein absolutes Prestige-Projekt, so ein Magazin fürs DSF zu produzieren, zumal wir uns neben unserer täglichen Regionalsendung besonders auch auf Werbe- und Sportproduktion spezialisiert haben.“
Sein nächster Weg führte Schlageter folgerichtig zu den Verantwortlichen des DSF. Nach anfänglicher Skepsis ließ man sich auch hier von der Idee und dem Konzept überzeugen, vor allem durch die Tatsache, dass das DSF damit Club-Eishockey im bundesdeutschen Free-TV quasi „exklusiv“ präsentieren kann, Allerdings fiel es zunächst nicht leicht, einen geeigneten Sendeplatz zu finden, Mittlerweile zeigt der Kalender bereits Anfang August und natürlich stand die Programmstruktur des DSF für September längst fest.
Der Ursprüngliche Plan, montags vom Bundesliga-Wochenende zu berichten, funktionierte da nicht mehr. Doch mit dem Samstag um 21:30 Uhr bot sich ein Sendeplatz an, auf dem Zeitnah von den Freitagsspielen berichtet und auf die Sonntagsbegegnungen hingewiesen werden konnte. Zudem schien klar, dass samstags alle Eishockey-Fans grundsätzlich die Sendung schauen könnten und der Sendeplatz vor dem ZDF-Sportstudio für alle Sportinteressierten auch recht attraktiv sein könnte. Nur war von Beginn an klar, dass man wegen bereits feststehender DSF-Strukturen das ein oder andere Mal auf alternative Sendeplätze ausweichen müsste. Dies könne aber auch eine willkommene Möglichkeit sein, andere Sendeplätze zu „testen“, denn noch gab es ja keinerlei Erfahrung mit dem Zuschauerverhalten in Sachen Bundesliga-Eishockey.
Ideen und Konzepte sind aber nur die eine Seite der Medaille. Nun hieß es, unter Zeitdruck – denn der Sendestart sollte unbedingt mit Saisonbeginn erfolgen – sämtliche Übereinkommen vertraglich zu fixieren, die finanziellen Aspekte zu lösen und die umfangreiche Logistik zu organisieren. Alle Beteiligten arbeiteten da mit maximalem Engagement und äußerst kooperativ zusammen. Auf einer ESBG-Sitzung beschlossen die Clubvertreter, quasi im „Umlagerverfahren“ für die Produktionskosten des neuen Magazins aufzukommen, das Donau TV als ausführender Produzent herstellen würde und die Kosten hierfür nahe an den Eigenkosten kalkulierte. Nun musste nur noch die „kleine Herausforderung“ gelöst werden, einen Investor zu finden, der bereit war, die nicht unerheblichen Kosten für den Sendeplatz vorzufinanzieren, im Gegenzug dafür das Recht erhielt, sich aus verschiedenen Werbemöglichkeiten zu refinanzieren. Ein erhebliches Risiko, denn Zeit für die Akquise und den Abschluss entsprechender Werbeverträge blieb vor Saison- und Sendebeginn nun nicht mehr.
Hier sprang die Heidelberger Agentur S.I.M. Marketing von Simone Schulze ein, ebenfalls ein Kontakt Schlageters, und schloss die entsprechenden Verträge mit dem DSF ab. Simone Schulze: „Mit dem Automobilclub von Deutschland (AvD) haben wir bereits einen starken Partner gefunden, der zudem noch die Nachwuchsförderung des DEB unterstützt. Aktuell sind wir aber immer noch auf der Suche nach weiteren Werbepartnern für das Magazin. Insbesondere einen „Presenter“ hätten wir gerne noch mit an Bord. Die Sportart Eishockey mit ihren Attributen wie zum Beispiel Schnelligkeit, Einsatz, Energie kann für einige Branchen und/oder Unternehmen der ideale Werbeträger sein. Zumal es jetzt ja Richtung Play-offs geht und wir immer mehr Zuschauer erreichen.“
Somit war die Partnerschaft zwischen ESBG, DONAU TV und S.I.M. Marketing „rund“ und die Beteiligten stürzen sich in die praktische Realisation der ersten Staffel von insgesamt 30 Sendungen bis Saisonende.
Mit der Erfahrung aus dem eigenen Magazin erstellte DONAUu TV die bundesweite Logistik für Redakteure und Kamerateams, die schließlich jeden Freitag bundesweit in vier Stadien mit mindestens je zwei Kameras die Spiele aufnehmen, anschließen – oft bis spät in die Nacht – ihre Berichte schneiden, vertonen und ins Sendezentrum nach Deggendorf überspielen. Dort treffen sich dann samstags früh Chefredakteur Stefan Silberbauer, Redakteure, Kameraleute, Techniker und der jeweilige Moderator. Stefan Silberbauer: „Die Redakteure und ihre Kamerateams haben sich von Sendung zu Sendung gesteigert. Natürlich ist das für alle auch ein Anreiz, im DSF zu sehen zu sein, und so will jeder immer besser werden. Einen Routine-Job macht hier keiner.“
Während die Redakteure die angelieferten Beiträge noch technisch und grafisch bearbeiten und der Moderator in der Maske geschminkt wird, werden im Studio Licht, Kamera und Ton für die Aufnahme der Moderationen eingerichtet. Dann heißt es: „Achtung! Kamera läuft, Action!“ und Sandra Kartmann oder Frank Schlageter lächeln und sprechen ihre Moderationstexte in die Kamera. Genauestens beobachtet von Stefan Silberbauer und Produktionschef Jürgen Kraus, die im Regieraum auf jeden kleinsten inhaltlichen oder technischen Fehler achten und dann eine Moderation sofort wiederholen lassen. Dauerte die Produktion der ersten beiden Sendungen noch jeweils rund sechs Stunden, hat sich das Team nach nun 15 Sendungen (Stand 30.12.2008) so gut eingespielt, das mittlerweile nur noch die Hälfte der Zeit benötigt wird-und das bei deutlich gestiegener Qualität.
Sind die Moderationen „im Kasten“, sprich im Computer, „baut“ Silberbauer die technisch auf höchstem TV-Niveau produzierten Einzelteile zusammen und überspielt sie auf mit Kraus auf das nach DSF-Anforderung gewünschte digitale Bandformat. Die Cassette – behandelt wie ein kostbarer Schatz – fährt dann ein PKW-Kurier vom Studio Deggendorf zum DSF-Standort nach Ismaning, wo das Band spätestens um 15 Uhr abgeliefert werden muss und von der Haustechnik nochmals intensiver Prüfungen unterzogen wird.
Fürs neue Jahr wünschen sich die „Macher“ natürlich gute Einschaltquoten. Denn auch hier regiert das Geld die Welt: Hohe Zuschauerzahlen sind die Basis für Werbekunden. Und nur mit diesen Einnahmen lassen sich die Ziele mittel- und langfristig verwirklichen. Schlageter: „Optimal wäre natürlich eine Sendezeit mit Berichten von allen sieben aktuellen Spielen.“ Bis dahin geben sich sämtliche Mitarbeiter um Chefredakteur Silberbauer größte Mühe, von allen Clubs so ausgewogen wie möglich zu berichten „Bisher ist uns das ganz gut gelungen. Alle Teams waren ziemlich gleich oder oft präsent. Natürlich müssen wir das ein oder andere Mal auch nach Tabellensituation entscheiden“, sagt Silberbauer, der ebenfalls ständig die Meinungen der „Insider“ in den Fanforen verfolgt und alle Meinungen und Anregungen dort ernst nimmt. Schließlich wünschen sich Macher und Eishockeyfans gemeinsam, dass die Bundesliga im DSF zur festen Fernsehgröße wird.